www.luc-tartar.net

+  TRADUCTIONS
FEUER FANGEN — S'embrasent

+ Agence : Felix Bloch Erben


Traduction allemande de Jakob Schumann

Publication dans la revue Scene - aide de la SACD Paris et de l'Institut Français de Berlin, bureau de la danse et du théâtre

JAKOB SCHUMANN

Biographie

Jakob Schumann, 1987 geboren, studierte Frankreichstudien und Dramaturgie in Berlin, Lyon und Hamburg. Er übersetzt unter anderem Autoren wie Frédéric Sonntag (« George Kaplan », Rowohlt Theaterverlag), Sébastien Thiéry (« Zwei Männer ganz nackt », Desch/FBE), Dirk Lauke, Christophe Pellet, Camille de Toledo et Luc Tartar. Mit « Feuer fangen » erscheint bereits die zweite seiner Übersetzungen in der Anthologie « Scène » (Verlag Theater der Zeit) in Deutschland.

Mehr Infos : http://www.theaterderzeit.de/buch/sc%C3%A8ne_18/

Né en 1987, Jakob Schumann a fait des études de lettres et de dramaturgie à Berlin, Lyon et Hambourg. Il traduit entre autres des auteurs tels que Frédéric Sonntag (« George Kaplan », Rowohlt Theaterverlag), Sébastien Thiéry (« Deux hommes tout nus », Desch/FBE), Dirk Lauke, Christophe Pellet, Camille de Toledo et Luc Tartar. « S'embrasent » est déjà la deuxième de ses traductions qui sera publiée en Allemagne dans l'anthologie « Scène » (Verlag Theater der Zeit).

Pour plus d'informations : http://www.theaterderzeit.de/buch/sc%C3%A8ne_18/

 


FEUER FANGEN - extrait

Bei Jonathan läuftʼs uns sexmäßig im Munde zusammen. Er steht da auf dem Schulhof gerader Rücken macht nichts atmet einfach hält seinen Körper lässig in die Welt und wir fangen an zu beben. Die Blätter die Bäume der Boden unser ganzes Fundament fängt an zu beben wir vergessen was wir gelernt haben Mamas Ratschläge „Nicht mit Fremden mitgehen“ wir beben und gestern wie es kommen musste hat Latifa nachgegeben

Jemandem verfallen sagt man

Und wo die Liebe hinfällt

Die Sinne sind geblendet. Latifa fällt nach hinten den Kopf schwer von den Versprechungen eines getauschten Blicks. Sie ist brandneu und Neuigkeiten verbreiten sich wie ein Lauffeuer. Wir sagen zu ihr „Jonathan sexmäßig“ sie trifft ihn zufällig auf dem Hof und zack Liebe auf den ersten Blick schlägt ein wie ein Blitz und obendrauf gibt’s den Fahrschein ins Glück. Latifa gibt sich der Zukunft hin fällt nach hinten und ins Unbekannte hinein. Und Jonathan dreht sich um und fängt sie im Flug. Ein Engel. Pfeilschnell. Nimmt sie auf in seinen Armen drückt sie leicht an sich küsst sie. Ihre Körper verschmelzen – hier eine Hand da ein Fuß. Sieht aus als würden sie umfallen. Aber nein. Sie küssen sich. Und wir fragen uns wie das geht. Bilden einen Kreis drum herum. Möchten das verstehen. Die Schwerkraft. Die Anziehungskraft. Dieser irrsinnige Nahkampf Kopf an Kopf und wir längst K. o. Zur Welt kommen. Laufen lernen. Mit Hand und Fuß. Hindernisse nehmen eins nach dem anderen sich unbesiegbar wähnen und den wahren Sinn des Lebens in einem Schulhofkuss erblicken. Mama. Papa. Alles zerfällt. Auch ich falle. Aber keiner da der mich auffängt

Ich stolpere kippe um hau mich hin dieser Kuss tut weh in mir drin schleicht sich in meinen Bauch schmiegt sich in meinen Kopf und lässt mich nicht fort. Ich schieb Liebesfilme schon morgens im Bett mein Kopfkino das mich in Schwung und über den Tag bringt aber heute bäng küsst Jonathan Latifa wie soll einen das nicht umhauen

Die Liebenden machen ihre ersten Schritte. Unter unseren sprachlosen Augen über den Hof und zum Tor hinaus. Alle sind live dabei. Die Mädchen die Jungs die Lehrer sogar der Schulleiter. Latifa. Was für ein Glückskind. Hat ihr Deckelchen gefunden. Und läuft mit ihm davon. Sie und ihr Romeo auf der anderen Straßenseite. Wir stehen da mit offenem Mund

Und der Schulleiter

Mit gesenktem Kopf. Als würde er sich verneigen vor so viel Offensichtlichkeit oder nach den richtigen Worten suchen. Da. Ein Fußabdruck von Jonathan. Dann schaut er auf die Augen rot vor Wut und schreit „Haltet den Dieb! Hilfe!“

Haltet den Dieb. Hilfe!

Helft mir. Meinem Ruf meiner Karriere meiner Autorität meiner Schulordnung meinem Disziplinarausschuss

Und ich sage: Hilf dir selber! Meine Illusionen gehören mir. Meine Kinderträume. Mein Nachtisch. Meine Nachhilfe. Meine Hausaufgaben. Mein tiefstes Inneres meine Sicht auf die Welt meine Perspektiven gehören mir. Das Leben gehört mir. Fünfzehn Jahre gelernt wie die Dinge dieser Welt funktionieren und heute dreht sich mir das Herz rum. Jonathan liebt Latifa. Und was ist mit mir

 


+ La mise en scène d'Irina Barca et de Sarah Kramer Berlin 2016

 
@ contact |  © mentions légales
 |